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Erziehung damals und heute: Vom Gehorsam über Reformpädagogik zu Helikoptereltern

Fotos von verschiedenen Generationen
Quelle: Depositphotos

Mit dem Haustürschlüssel um den Hals und mit Schulranzen beladen stapften sie über große Kreuzzungen zur Schule. Herr Vater war die Vollzugskraft von Prügel und Strafen. David Bowie, Lederjacken und Skateboards waren für die Eltern Fremdwörter. Heute ist Papi eine verständnisvolle Bezugsperson, Eltern gehen ohne Kinder auf Partys und die Kleinen werden tagtäglich vor dem Eingang der Schule abgesetzt. In der Erziehung damals und heute spiegelt sich das gesamte vergangene Jahrhundert wieder – eine Entwicklung mit einer Kehrtwende.

Ein Klaps auf den Hintern oder eine Ohrfeige gehörte zu einer „guten Erziehung“ dazu. Weitaus schmerzhaftere Züchtigungsgegenstände waren der Kochlöffel, der Teppichklopfer oder sogar der Gürtel. Vor den Eltern hatten die Kinder vor allem Respekt. „Na warte, bis Vater nach Hause kommt“ sollte nichts Gutes verheißen.

Vielleicht würden wir die Kinder heute immer noch autoritär erziehen und ihnen Gehorsamkeit beibringen – wären die 68er nicht gewesen. Die 68er bewirkten eine Kehrtwende im Erziehungsstil. Kinder sollten angstfrei aufwachsen, eigenständig werden und Dinge hinterfragen. Die Prügelstrafe an Schulen wurde 1973 verboten, in Bayern sogar erst 1980.

Dieser Bruch in der Entwicklung der Pädagogik hatte eine massive Folge: Die 68er und ihre Eltern hatten nichts mehr gemeinsam. Beatles, Partys, freie Liebe – das alles spielte sich auf einen anderen Planeten ab als die Wirklichkeit der Eltern. Sie hatten andere Werte in ihrer Erziehung gelernt: Gehorsamkeit, Pflichtbewusstsein, Ernsthaftigkeit.

Auch wenn die Großeltern heute sicherlich froh sind, dass ihre Enkel keinen autoritären Erziehungsstil erleben müssen, dürften andere Dinge für sie ungewöhnlich sein. Ihre Enkel stehen dauerhaft unter Aufsicht: in der Kita, auf dem Spielplatz, draußen beim Spielen. Die Eltern fahren sie täglich zur Schule und wieder nach Hause. Bei Erkältung geht es nicht selten direkt in die Notaufnahme. Oma und Opa lernten früher auch Selbstständigkeit und Verantwortung. Sie liefen bei Wind und Wetter zu Fuß zur Schule. Zu Hause mussten sie im Haus und Garten mithelfen. Sie konnten draußen ohne Aufsicht spielen und kamen Stunden später dreckig und mit Schrammen nach Hause.

Vielleicht treiben Eltern heute die Entwicklung, die die 68er angestoßen haben auf die Spitze. Denn heute beginnt die Erziehung schon im Mutterleib. Sie sollten sich weniger von der Angst oder vom Leistungsdruck in der Gesellschaft beraten lassen und sich dafür mehr auf die Großeltern vertrauen. Denn die kennen die Erziehung dreier Generationen und können aus den Extremen der Pädagogikgeschichte die goldene Mitte finden.

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