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Brutale Kinderliteratur: Kältetod, Kindermord, Auftragskiller

“Fuchs du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her! Sonst wird dich der Jäger holen mit dem Schießgewehr”. Die unschuldigen Kinderaugen leuchten, während bei uns ein mulmiges Gefühl die eigene Nostalgie trübt. Denn die zauberhaften Lieder und Geschichten unserer Kindheit handeln ziemlich oft von Mord und Totschlag. Dass sie deswegen manchmal umgeschrieben werden, ist keine Schande.

Offenbar ging es früher nicht ganz kuschelig zu – jedenfalls wenn man sich die Märchen aus dem 19. Jahrhundert zu Gemüte zieht. Hensel und Gretel werden von der Stiefmutter im Wald ausgesetzt. Sie sollen verhungern oder von wilden Tieren gefressen werden. Im Hexenhaus angelangt werden sie im Käfig eingesperrt gehalten und gemästet, bevor Gretel die Hexe in den Ofen schubst und diese verbrennt. Eine eitle Königin beauftragt den Mord an ihre Schwiegertochter, will ihre Organe essen, vergiftet sie und muss dann zur Strafe tanzen, bis sie tot umfällt.

Die Märchen der Gebrüder Grimm oder von Hans Christian Andersen zeichnen nicht nur eine faszinierend-magische, sondern auch eine ziemlich düstere, rohe, brutale Welt. Aber auch Geschichten und Lieder aus dem vergangenen Jahrhundert sind nicht ohne. Bei „Hoppe, hoppe Reiter“, „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ oder „Peter und der Wolf“ sind Brutalität und ein grausamer Tod Teil der Geschichten. Merkwürdig nur, dass uns das nicht früher aufgefallen ist. Wenn uns die grausamen Inhalte einmal bewusst werden, kommt die Frage auf, wie wir damit umgehen.

Viele entscheiden sich dazu, trotzdem die Geschichten unbeschönigt zu erzählen. Schließlich hat das Umschreiben von politisch unkorrekten Ausdrücken in Pippi Langstrumpf weitgehend für Empörung gesorgt. Tatsächlich wurden aber z.B. die Märchen der Gebrüder Grimm, seitdem sie veröffentlich wurden, immer wieder für Kinder angepasst und geändert. Es ist also kein Symptom unserer der politischen Korrektheit, sondern gängige Praxis. Auf dem Markt gibt es heute ältere und neuere friedlichere Versionen der Märchen und Lieder – die Wahl bleibt bei Ihnen.

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