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Ein Leben lang: Großeltern erzählen über die Liebe

Ein Leben lang – ein Spruch, den sich Paare spätestens bei der Hochzeit geben. Doch was steckt wirklich dahinter? „Ein Leben lang. Was wir von unseren Großeltern über die Liebe lernen können“ heißt auch der Titel von Julia Grosses neu erschienenem Buch, in dem sie der Frage nachgeht, wie eigentlich eine glückliche Beziehung funktioniert. Julia Grosse, die nach ihrem Studium als Kulturkorrespondentin in London für Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine arbeitete, hat nun ein generationsübergreifendes Buch vorgelegt, das man wärmstens empfehlen kann.

Julia Grosse reiste von Deutschland bis nach New York und besucht Ehepaare, die sich schon 50, ja sogar schon 70 Jahre lang kennen. In zehn Kapiteln erzählt sie von den Ehepaaren, von ihrer nicht immer einfachen Zeit als junges Paar oder frischgebackene Eltern und von dem Danach, wenn das Haus ruhig wird und wieder Zeit füreinander da ist. Die Portraits inspirieren und lassen hoffen, dass es tatsächlich eine tiefe Verbundenheit von Paaren gibt, die auf gegenseitiger Wertschätzung basiert. Sie erzählen aber auch von der vielen Arbeit und den Kompromissen, die die Liebenden in Kauf genommen haben, um am Ende sich nochmal in neuem Glanz zu sehen. „Das ist kein Handbuch für die Liebe, randvoll mit praktischen Antworten. Doch es lässt einen die Idee von Partnerschaft, die Situation der eigenen Beziehung vielleicht neu aufwerfen“, schreibt die Autorin zu Beginn. Entstanden ist ein einfühlsames und inspirierendes Buch.

Die für Julia Grosse persönlichste Geschichte findet ihren Platz im ersten Kapitel, nämlich die ihrer Großeltern. Bewundernd war für die Autorin die Beziehung ihrer Großeltern, weil sie sich angeblich nie gestritten haben und in ihren mehr als 70 Jahren Ehe nie wirklich voneinander getrennt waren. Weil sie sich selbst, wenn sie ihre Wohnung nicht verlassen haben, sich für den anderen immer schick angezogen haben. Und weil sie einer ganz klaren Regel folgten: „Erst der Partner, dann die Kinder.“ Das mag für viele erstmal nicht nachvollziehbar sein, denn im Bekanntenkreis hört man meist, dass die Kinder an erster Stelle stehen. Das muss aber nicht so sein. Julia Grosses Großeltern sind mit dieser Regel gut gefahren, wenn nicht sogar sehr gut und das Vorbild der Autorin. Das Porträt ihrer Großeltern führt vor Augen, was es heißt sich auf einen Partner einzulassen, sein Leben lang, und bildet eine harmonische Beziehung ab, wie man sie sich wünscht.

Das Buch verdeutlicht, wie schön eine Beziehung im Alter noch sein kann und zugleich wird während der Lektüre klar, welch harte Arbeit diese Paare investiert haben. So auch Marianne und Herbert Baumann. Er Komponist, sie Schauspielerin: Sie leben heute zusammen in einem Seniorenstift und blicken dort auf ihr gemeinsames Leben zurück. Während Herbert in jungen Jahren sich langsam einen Namen als Komponist machte, hielt ihm seine Frau immer den Rücken frei und kümmerte sich um die Kinder in der nicht leichten Nachkriegszeit. In klaren Worten sagt Marianna dazu: „In diesen Zeiten war ich im Grunde nicht mehr als ein Möbelstück, das man benutzt, das funktioniert.“ Das klingt ernüchternd, stellt man sich unter einer glücklichen Beziehung doch genau das nicht vor. Beziehungen sind nicht immer einfach, sondern verlangen manchmal eben auch, dass man seine eigenen Träume aufgibt. In der Nachkriegszeit waren es nunmal die Träume der Frau. Herbert ist sich rückblickend dem inzwischen bewusst und auch wie sehr sich seine Frau für die Familie aufgeopfert hat. Das hat er spät erkannt und will nun ihr Gutes tun und ihr Anerkennung ausdrücken. „Es wurde plötzlich immer schöner und intensiver mit den Jahren.“

Es sind solche Geschichten, die so ehrlich und ungeschminkt erzählt werden, die dieses Buch lesenswert machen. Erzählungen, die mit dem Klischee über Romantik aufräumen und dennoch auf ihre ganz individuelle Art an Liebe glauben lassen. Und romantisch ist es dann doch im Kleinen, wenn ein anderes Paar erzählt, dass sie jeden Morgen gemeinsam im Wohnzimmer tanzen. Julia Grosse hat ein gutes Gespür für das Tiefgründige und vermittelt den Eindruck, als ob man den Paaren gerade selbst bei einem Kaffee gegenüber sitzt und ihnen zuhört. Dieses Gefühl wird durch Fotos der Interviewten verstärkt. Und obwohl sie keinen Ratgeber schreiben wollte, gleitet Julia Grosse am Ende von diesem Nicht-Vorhaben doch ein wenig ab und schreibt eine To-Do-Liste, wie sie es nennt. „Es ist eher ein kurzes Hineinrufen von Begriffen, die hängenbleiben können.“ Und zwar: Respekt, Reden, Wertschätzung, Toleranz, Pflege, etwas Neues tun und entspannt Euch! Was Sie damit genau meint, können Sie in ihrem Buch „Ein Leben lang. Was wir von unseren Großeltern über die Liebe lernen können“ lesen. Es lohnt sich, schon alleine wegen den so unverblümten und anmutigen Geschichten der Liebespaare, die es nicht immer leicht hatten aber zusammenhielten.

Julia Grosse - Ein Leben lang. Was wir von unseren Großeltern über die Liebe lernen können

Mehr als siebzig Jahre lang waren Julia Grosses Großeltern ein Paar. Ihre Liebe erschien ihr als das Maß aller Dinge. An ihnen hat sie jede ihrer Beziehungen gemessen und sich immer wieder gefragt: Wie hält man eine so tiefe Verbundenheit über ein ganzes Leben aufrecht? Und was für Wege gab es neben dem ihrer Großeltern? Um diese Fragen zu beantworten hat Julia Grosse Liebespaare getroffen, die auch nach vielen Jahren, tiefen Einschnitten und gemeisterten Krisen in der Gewissheit leben, ihren Seelenverwandten gefunden zu haben.

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