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Autonomes Fahren: Soll Kind oder Oma beim Unfall verschont werden?

autonomes Fahren

Autonomes Fahren ist ein Schritt in Richtung digitale Zukunft. Doch die neuen Techniken birgen auch Gefahren und stellen uns vor schwierige ethische Entscheidungen. In einer weltweiten Umfrage stellten Forscher die Frage, wer bei einem Autounfall verschont werden soll: Kinder oder ältere Menschen. Mensch oder Tier? Auf diese Frage gibt es keine richtige oder falsche Antwort, sie stellt ein ethisches Dilemma dar.

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein älteres Ehepaar ist mit einem selbstfahrenden Auto unterwegs. Plötzlich fallen die Bremsen aus und das Auto fährt geradewegs auf ein Kind zu, das gerade über die Straße läuft. Weicht das Auto aus, dann fährt es in eine Mauer. Egal wie die Software des selbstfahrenden Autos programmiert sein sollte, es würde mindestens eine Person zu Schaden kommen. Die Frage ist nun, soll das Auto geradeaus weiter fahren, mit der Konsequenz das Kind zu überfahren oder soll es gegen die Mauer gelenkt werden. Das hätte den Tod der zwei Insassen zu Folge. Wie würden Sie entscheiden?

Diese und ähnliche Situationen galt es in der Umfrage von US-Forschern zu beantworten. Das Ergebnis: die Mehrheit würde Kinder eher als ältere Menschen verschonen. Bei ähnlichen Fallbeispielen mit Tieren wurde das Leben des Menschen höher gewichtet als das Leben des Tieres. Die Internet-Umfrage mit dem Titel „Moral Machine“ wird weltweit in den Medien hitzig diskutiert. Schließlich ist es schwierig solch eine ethische Entscheidung zu treffen und zu begründen. Darf der Obdachlose oder der Geschäftsmann weiterleben? Oder die Sportlerin anstelle des Krebserkrankten? Nach welchen Kriterien treffen wir solche Entscheidungen und darf man überhaupt Kriterien wie Geschlecht, Alter, Beruf und Gesundheit in so eine Entscheidung miteinbeziehen? Interessanterweise entschieden in der Umfrage viele asiatische Länder anders als beispielsweise die westlichen. In Asien gab die Mehrheit  in dem oben genannten Fallbeispiel an, dass ältere Menschen verschont werden sollten. Das ist auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen, denn in den asiatischen Ländern haben die Bewohner großen Respekt vor Älteren.

Wissenschaftler der Ethik-Kommission haben sich in den vergangenen Jahren intensiv mit diesem ethischen Dilemma bei selbstfahrenden Autos beschäftigt und das Ergebnis in ihrem Bericht „Autonomes und vernetztes Fahren“ im Juni 2017 vorgelegt. Darin empfehlen sie Regeln für die praktische Umsetzung vom autonomen Fahren. Unter anderem heißt es in Regel 9: „Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt.“ Und: „Die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten dürfen Unbeteiligte nicht opfern.“

Wer das Buch „Terror“ von Ferdinand von Schirach, die Verfilmung oder Theateradaption des Buches kennt, weiß vielleicht, wie schwierig es ist eine Entscheidung über Menschenleben zu treffen. Jedoch müssen Entscheidungen getroffen werden, wenn das selbstfahrende Auto auf den Markt kommen soll, wenngleich solche Dilemmasituationen nicht neu sind und nur in seltenen Fällen zur Realität werden. Es ist daher gut, dass sich die Medien zunehmend damit beschäftigen und eine Debatte anstoßen, denn es kommen immer mehr technische Erfindungen auf den Markt, die unseren Alltag erleichtern und uns Entscheidungen abnehmen sollen. Aus Bequemlichkeit kann man schnell vergessen, dass man beim Einsteigen in ein selbstfahrendes Auto oder auch der Nutzung von smarten Geräten wie Alexa einen Teil der eigenen Entscheidungsfreiheit abgibt.

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