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Wenn Oma dement ist ...

Wenn Oma dement ist.

Wir haben einen Artikel gefunden, den wir wunderschön finden. Kein leichtes Thema, denn es geht um Demenz. Die Autorin Melanie Blankenstein beschreibt darin, wie es sich anfühlt, ihre stark an Demenz leidende Oma zu besuchen. 94 Jahre ist die alte Dame bereits ­– und hat amüsante Geschichten auf Lager. Vor allem aber ist sie „einfach glücklich, dass ich da bin“, berichtet Melanie. Sie fühlt sich bei ihrem Besuch „wie ein Mensch, der Oma offensichtlich mehr an ein Gefühl als an einen Namen erinnert.“

Wir dürfen den Beitrag mit Genehmigung der Gründerinnen des Blogs ohfamoos bei uns noch einmal veröffentlichen:

“Honig im Kopf”. So heißt die Tragikomödie mit Dieter Hallervorden, Til und Emma Schweiger. Durch die Augen eines Kindes beobachtet treten in diesem Film Anstrengungen und Frustration bei der Pflege an Demenz leidender Menschen in den Hintergrund. Vor ein paar Tagen war ich ebenfalls in einem Altenheim, um meine 94jährige, inzwischen stark an Demenz leidende Oma zu besuchen. Erhofft habe ich mir wenig von meinem Besuch, enttäuscht wurde ich aber auch nicht.

Als Oma mich erblickt, erhellen sich Ihre kleinen, müden Augen. Sie lacht, umschließt meine Hände und bemüht sich aus ihrem Stuhl. Ob sie weiß, wer ich bin, spielt in diesem kurzen Moment keine Rolle. Sie freut sich, dass ich da bin. Wer ich sei? Wie ich heiße, wo ich wohne und warum ich hier sei? Diese Fragen stellt sie höflich mit einem seligen, fast gütigen Lächeln – und ich beantworte ihre Fragen geduldig. Einmal, zweimal, dreimal. Ihr Gedächtnis würde sie im Stich lassen und die Ohren seien auch „kaputt“. Das Hörgerät sei zu Hause, so entschuldigt sie sich.

„Weißt Du, Ich will auch gar nicht mehr alles hören!“

Wir besuchen zusammen ein sogenanntes Gedächtnistraining für ihre Gruppe. Eine sehr engagierte, humorvolle Pflegerin liest langsam aus einem Buch vor. Wir besprechen die Zeit nach dem Krieg, die Anstrengung des Wiederaufbaus und erste Urlaubsreisen. Wie sah der erste Urlaub aus, so ohne viel Geld? Eine Busfahrt zu den Verwandten, eine Fahrradtour ins Nachbardorf oder vielleicht sogar eine Schifffahrt auf dem Rhein. Ich bin erstaunt, denn es entwickelt sich sogar ein Gespräch. Die Gesichter hellen sich auf, die Betreuerin bindet jeden einzelnen Patienten ein, stellt kurze Fragen und versucht von ihrer eigenen, ersten Urlaubsreise ein paar lustige Anekdoten einfließen zu lassen. Die Gesellschaft lacht für einen Moment. Dann werden die Pfenningpreise einer Kugel Eis diskutiert.

Das Langzeitgedächtnis funktioniert bei einigen Patienten noch sehr gut und ich ertappe mich dabei, wie ich mich in die Situation der anwesenden Patienten versetze. Erinnerungen an Glück, an Erschöpfung, vielleicht sogar an etwas Abenteuerlust ohne viel Geld. Nach dem Krieg eine Reise mit der Bahn in die nächste größere Stadt oder per Rad oder zu Fuß zum Waldsee, dabei ein Zelt auf dem Rücken. Das war ein großes Ding, darin sind sich alle einig. Manche nicken nur zustimmend mit dem Kopf.

Dabei hält meine Oma meine Hände, die so schön warm sind im Mai – auch wenn sie jetzt nicht sofort wisse wer ich sei. Später würde ihr es bestimmt wieder einfallen, versichert sie mir.

Sie ist einfach glücklich, dass ich da bin. Ein Mensch, der Oma offensichtlich mehr an ein Gefühl als an einen Namen erinnert. Wie wunderbar. Sie entdeckt meinen Ehering und findet ihn wunderschön. Sie muss ihn immer wieder anschauen, anfassen und lobt ihn anerkennend. Er sei sehr schick!

Ich begleite Oma zu ihrem Platz am Mittagstisch, dabei summt sie ein Lied. Sie erinnert sich sofort an Titel und Sänger. Wie er heißt? Ich kann es Euch leider nicht sagen, ich habe es vergessen.

Übrigens:

Einigen grosseltern.de-Lesern dürfte die Autorin Melanie Blankenstein bereits bekannt sein: durch ihre Beiträge bei uns über Flugreisen mit Kindern oder Mit Oma und Opa Kindergeburtstag feiern

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