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Urlaub mit den Enkelkindern: Was ist zumutbar und wo liegen Grenzen?

Immer mehr Großeltern sind bei den Urlauben mit den Enkelkindern dabei

Immer mehr Großeltern sind beim Urlaub mit den Enkelkindern dabei, sei es als unterstützenden Betreuer für die eigenen Kinder oder sogar als alleiniger Reiseveranstalter für den geliebten Nachwuchs. Doch wie viel Reisezeit ist sowohl Kindern als auch Großeltern zuzumuten? Und welche Tipps gibt es, um die Flugreise für alle Parteien so entspannt wie möglich zu gestalten? Ein Überblick über Möglichkeiten und Einschränkungen.

Immer mehr Großeltern nehmen aktiv am Leben ihrer Enkelkinder teil und richten ihr eigenes Leben nach dem Nachwuchs der zweiten Generation aus. Eine Statistik aus dem Jahr 2009 zeigt, wie sich das Leben der Großeltern neu formiert, wenn die Enkelkinder da sind. 53 Prozent aller befragten Omas und Opas gaben demzufolge an, dass sie auf die Kinder aufpassen, wenn die Eltern nicht da sind. Auf Platz Zwei der Aktivitäten rund um das Kind folgt das Dasein als Ansprechpartner für Enkel. Wenn es Probleme gibt oder einfach jemand zum Spielen gesucht wird, sind Großeltern häufig zur Stelle und helfen aus. Das gilt auch, wenn die Eltern Zeit für sich benötigen. 37 Prozent aller Großeltern sind hilfsbereit, wenn die eigenen Kinder Freizeit abseits des Nachwuchses benötigen. Es gibt jedoch einen weiteren elementaren Punkt in der Unterstützung der Großeltern: Insgesamt 16 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ihre Enkelkinder mit in den Urlaub nehmen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass es einen riesigen Markt für Urlaube gibt, in denen mehrere Generationen verreisen. Es zeigt sich jedoch, dass die Planung und auch rechtliche Absicherung vorab genau geklärt werden muss, damit die Urlaube ohne die Eltern entspannt ablaufen.

Urlaub mit den Großeltern: Bezugspersonen und Vollmachten

Das beginnt bereits bei der Wahl des Zeitpunkts. Wie Andreas Engel von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung rät, “sollten die Kinder mindestens drei, vier Jahre alt sein”, bevor der Urlaub mit den Großeltern angegangen wird. Zuvor sind die Eltern laut Aussage des Experten zu große Bezugspersonen; ein Wegfall der innigen Bindung für mehrere Tage wird für alle Seiten Probleme darstellen. Für Großeltern sind die ersten Jahre mit den Enkelkindern deshalb häufig die kompliziertesten. Die Eltern sind bei fast jeder Aktivität mit vor Ort, Zweisamkeit mit dem Enkelkind gibt es nur selten. Deshalb heißt es: Ruhe bewahren und abwarten, bis sowohl die Eltern als auch die Enkelkinder bereit sind, den großen Schritt gemeinsam mit den Großeltern zu gehen. Weiterhin sollten sich Großeltern, bei allen Wünschen nach gemeinsamen Urlauben mit den Enkeln, immer die eigene Position vor Augen führen und sich die Frage nach der Innigkeit zum Enkelkind stellen. Für permanente Bezugspersonen ist ein Urlaub einfacher zu realisieren als für Großeltern, die nur turnusmäßig bei den Enkeln vorbeischauen. Stehen diese Vorzeichen jedoch gut, ist ein Urlaub mit den Enkelkindern in greifbarer Nähe.

Für alle Großeltern, die erst langsam die Verbindung zum Enkelkind stärken, ist ein Urlaub im eigenen Zuhause eine willkommene Möglichkeit, um sich an die höhere Belastung und den Charakter des Kindes zu gewöhnen. Im eigenen Garten können die Enkel ausgiebig toben und sich von Oma und Opa bespaßen lassen. Für Großeltern besteht der Vorteil, dass sie sich in einer bekannten Umgebung an die Herausforderung gewöhnen können. So muss neben der Verpflegung und den Bettzeiten auch auf die körperliche Unversehrtheit geachtet werden.

Das beginnt bereits bei der Sonneneinstrahlung. Hier ist es wichtig, einen Rückzugsort zu schaffen, der ausreichend Schatten bietet, denn gerade Kinder sind gegenüber der UV-Strahlung noch um einiges empfindlicher. Mit Hilfe von Schirmen lassen sich so beispielsweise Sandkästen oder andere Spielbereiche ausstatten. Je nach Situation vor Ort kann dabei das passende Modell ausgewählt werden. Abknickbare Schirme können besonders gut auf die Richtung der einstrahlenden Sonne eingestellt werden.

 Ein weiterer Vorteil des Urlaubs im eigenen Zuhause: Bei Fragen oder Problemen wissen die Großeltern meist ganz genau, an wen aus der Nachbarschaft oder Gegend sie sich wenden können. Ist die Generalprobe im Zuhause der Großeltern gelungen, steht einer Flugreise nichts mehr im Weg.

Gut zu wissen

Während der Zeit des Urlaubs ohne die Eltern sind Oma und Opa für das Kind oder die Kinder verantwortlich. Das beinhaltet nicht nur, die Kinder nach den erzieherischen Regeln ins Bett zu bringen oder sie mit Essen zu versorgen, sondern auch, im Notfall Entscheidungen zu treffen. Aus diesem Grund müssen Eltern den Großeltern eine Vollmacht ausstellen, die eine komplette oder partielle Entscheidungsgewalt an die Verantwortlichen im Urlaub überträgt. Diese Vollmacht sollte die Namen der Reisenden, die Kontaktdaten der Eltern und einen Überblick über Bevollmächtigungen beinhalten. So kann es beispielsweise notwendig werden, ein verletztes Kind im Krankenhaus zu behandeln und im schlimmsten Fall schnelle Entscheidungen zu treffen. In diesem Zusammenhang sollten die Großeltern vor dem Urlaub genau über Krankheiten, Allergien oder andere Unverträglichkeiten aufgeklärt werden, um auf alle Situationen vorbereitet zu sein.

Leistungsvermögen richtig einschätzen – zum Wohl des Kindes

Sind die großen Faktoren aus dem Weg geräumt, geht es an die Planung des gemeinsamen Urlaubs mit den Kindern. Dabei sollte sowohl das Alter der Kinder als auch die Fitness der Großeltern in Betracht gezogen werden. Wenn ein spannender Urlaub mit Anreise per Flugzeug geplant wird, sollten besonders den Flugzeiten und den Komfort der Maschinen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Es stellt sich die Frage, wie viel Flugzeit für Kinder zumutbar ist. Leider kann diese Frage nicht mit harten Grenzen geklärt werden. Jedoch gibt es einige Grundregeln, die als Anhaltspunkt gelten können: 

  1. Kinder mit einem festen Schlafrhythmus, der auch einen Mittagsschlaf umfasst, sollten so fliegen, dass die Flugzeit innerhalb der Wachphasen liegt. In dieser Zeit bekommt das Kind nicht nur genügend vom Flug und der Anreise mit, sondern muss den erholsamen Schlaf nicht in die neue und laute Umgebung zwängen. Wesentlich besser ist es, den Flug zu planen, dass nach der Ankunft am Zielort eine ruhige Schlafmöglichkeit bereitsteht.
  2. Kinder die noch nie geflogen sind, sollten ebenfalls nicht direkt mit einem interkontinentalen Langstreckenflug überfordert werden. Der Trubel in der Kabine, die Enge und die geringe Möglichkeit, sich auszutoben, nagen am Urlaubs-Enthusiasmus und lassen den Spaß mit Oma und Opa schnell “verfliegen”.
  3. Langstreckenflüge mit den Großeltern empfehlen sich ab einem Alter, in dem die Kinder sich selbst beschäftigen können. In diesem Zusammenhang kann es notwendig sein, ein Tablet oder andere Unterhaltungselektronik mit an Bord zu nehmen, um das Programm selbst zu gestalten. Haben Enkelkinder bereits Erfahrung mit langer Beschäftigung mit sich selbst, ist ein Langstreckenflug möglich.
  4. Auch die Großeltern sollten auf ihre Belastungsgrenzen achten. Ist der eigene Körper in der Lage, nicht nur für sich selbst zu sorgen, sondern die komplette Verpflegung und Betreuung eines weiteren Kindes zu realisieren? Ist diese Frage nicht eindeutig zu beantworten, sollte der Flug eher kürzer gewählt werden. Dabei spielen auch Erkrankungen und Leistungseinbußen eine Rolle, die im Alltag kaum Beachtung finden.
  5. Bei der Wahl des Zielortes sollte außerdem darauf geachtet werden, dass die Zeitverschiebung nicht mit dem Bio-Rhythmus des Enkelkindes kollidiert. Während eine bis zwei Zeitzonen gut kompensiert werden können, sind mehrere Stunden ein Problem, das sich durch den Beginn des Urlaubs ziehen kann. Je weniger Veränderung das Kind erfährt, desto entspannter wird die Reise.
Je länger der Flug, umso anstrengender wird der Reisebeginn für Enkel und Großeltern.

Doch welche Zielorte sind empfehlenswert? Im Sommer muss es mit den Enkelkindern nicht zwingend an den Strand gehen. Die südlichen Länder sind für die empfindliche Haut häufig zu anstrengend und zu überlaufen. Viel ratsamer ist es, das Reiseziel nach Aktivitäten auszuwählen. Viele Urlaubsorte in den angrenzenden Ländern bieten Familienhotels, die auf die Ankunft von Großeltern mit ihren Enkeln vorbereitet sind. Diese besonderen Hotels liegen häufig in Gegenden, die für Kinder zum Toben und Entdecken ideal sind und gleichzeitig genügend Möglichkeiten der Interaktion mit den Großeltern bieten. Gerade in Österreich, am Fuße der Alpen, gibt es zahlreiche Hotels, die sich dieses Konzept auf die sprichwörtliche Fahne geschrieben haben. Je mehr Aktivitäten für die Zielgruppe Enkelkinder zur Verfügung stehen, umso entspannter wird der Urlaub für alle Beteiligten. Und ein Flug in ein Nachbarland Deutschlands, ist dank der geringen Reisezeit wesentlich einfacher zu realisieren.

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