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Lebenserfahrung von Großeltern: Was wir unseren Enkeln mitgeben

Was wir unseren Enkeln an echter Lebensvorbereitung mitgeben können

Die lange und umfangreiche Lebenserfahrung von Großeltern ist nichts, was man kleinreden sollte. Ganz im Gegenteil, Enkel können davon massiv profitieren und nicht nur in großen Dingen.

Wir leben in einer sehr schnelllebigen, hektischen Zeit. So schnelllebig und hektisch, dass dabei auch in Erziehungssachen vieles schlichtweg nicht mehr von den Eltern gestemmt werden kann. Wenn beide berufstätig sein müssen, um über die Runden zu kommen, fehlt einfach die Zeit, um noch viel „Lebensvorbereitung“ zu betreiben. Nicht nur Lehrer beklagen diese mangelnden Fähigkeiten schon seit langem und sehen elterliche Grundlagenarbeit auf sich abgewälzt. Gerade hier bietet sich für Großeltern die Möglichkeit, etwas wirklich Bedeutungsvolles zum Leben ihrer Enkel beizutragen. Nämlich, ihnen all jene großen und kleinen Sachen zu vermitteln, für die sowohl Eltern wie Schule heute keine Zeit mehr haben. Das ist durchaus viel.

Das Finanzielle

Egal welche Schulform die Enkel besuchen, dazu gehören auch Unterrichtsstunden in Betriebswirtschaftslehre (BWL). Doch so grundständig diese Fächer auch sein mögen, sie lassen eines vermissen: Die praktische Anwendbarkeit des Gelernten. Natürlich ist es wichtig, Zinsen berechnen zu können, zu wissen, wie die Finanzsysteme überhaupt funktionieren. Doch schon mangels Stundenzahl fehlt oft schlichtweg der Raum, den Schülern das „Klein-Klein“ vermitteln zu können und zuhause ist Geld oft ein Tabuthema. Dabei gäbe es vieles, was man beibringen könnte:

  • Wie wählt man überhaupt eine Bank für ein normales Girokonto aus?
  • Wie macht man eine Überweisung?
  • Wie teilt man das, was man bekommt, sinnvoll ein?
  • Wie behält man Überblick über seine Finanzen?
  • Wie und vor allem aus welchen Gründen beantragt man einen Kredit?

All diese sehr bodenständigen Dinge werden nur unzureichend anderweitig vermittelt und können durchaus von Großeltern gelehrt werden. Nicht nur, weil nur sie die Zeit dafür haben, sondern weil sie aufgrund ihrer Erfahrungen viel mehr dazu befähigt sind, Gutes von Schlechtem zu unterscheiden. Gerade in der heutigen Finanzwelt gibt es eine Menge Möglichkeiten, aufs falsche Pferd zu setzen.

Viele Jugendliche geraten nur deshalb in die Schuldenfalle, weil ihnen niemand wirklich beigebracht hat, mit ihrem Geld zu haushalten.

Liebesdinge

Die Teenager-Jahre sind meist auch die Zeit, in denen erstmals große Liebesgefühle hochkochen und ebenso oft wie ein Strohfeuer verbrennen und einen seelisch geknickten Enkel hinterlassen. Eltern reagieren in diesen Fällen oft notgedrungen sehr pragmatisch: „Du hast noch dein ganzes Leben Zeit / andere Mütter haben auch schöne Söhne/Töchter“. Natürlich sind solche Sätze nicht falsch, aber sie ignorieren, dass Jugendlichen die Routine in der Verarbeitung von Liebeskummer fehlt. Sie können auf keinen Erfahrungsschatz zurückgreifen und machen vielleicht auch deshalb Fehler, welche erst zum Bruch einer Jugendliebe führen. Einmal mehr sind es Großeltern, die, vielleicht mit den Erfahrungen einer viele Jahrzehnte langen Ehe, wesentlich hilfreicher sein können:

  • Wie geht man überhaupt mit Liebeskummer um, wie kann man ihn bewältigen?
  • Wie muss man sich in einer Beziehung verhalten, damit sie funktioniert?
  • Wie drückt man dem anderen Geschlecht seine Zuneigung aus?
  • Was sind typische Fauxpas, die man begehen kann?

Prinzipiell geht es darum, einem in Herzensangelegenheiten vollkommen unbedarften Jugendlichen zu vermitteln, wie er überhaupt als Beziehungsmensch funktioniert, wie er Rücksicht auf einen Partner nimmt und natürlich auch, wie er typische Anfängerfehler vermeidet. Da sind Großeltern die vielleicht besseren Ansprechpartner als alle Eltern, Freunde und Ratgeber zusammen.

Der Alltag

Nach der Schule stehen Hausaufgaben an, dann vielleicht Lernen, Freunde, andere Verpflichtungen. Bei den Eltern sieht es ähnlich aus. Heraus kommen Jugendliche und junge Erwachsene, denen die grundlegendsten Fähigkeiten fehlen, einen normalen Alltag zu meistern und über die ein anonymer Vermieter folgendes beklagt: „Manche Studenten sind […] allein nicht lebensfähig. Studenten, die gerade bei ihren Eltern ausgezogen sind, schauen mich oft mit großen Augen an: Sie kennen die Stadtwerke nicht oder wissen nicht, wie eine Gasheizung funktioniert. Einmal wurde ich sogar angerufen, weil eine Glühbirne kaputt war“. Wer diese Problemstellung versteht, erkennt auch, dass dieser Punkt der vielleicht umfangreichste der Lebensvorbereitung ist.

  • Wie findet man eine Wohnung, wie liest man einen Mietvertrag?
  • Wie beantragt man die Versorgung eines Haushalts mit Strom, Wasser etc.?
  • Wie und wo kauft man was ein und wie bevorratet man einen Haushalt?
  • Wie sehen die richtigen Reinigungsschritte für ein Fenster aus? Wie die für eine Couch, einen Teppich, ein Badezimmer?
  • Wie repariert man kleine Haushaltsdinge, wie flickt man Kleider?
  • Wie wäscht man welche Wäsche, wie bügelt man sie?
  • Wie und für was erledigt man Amtsgänge?
  • Wie und warum sollte man ein Haushaltsbuch führen?
Die kleinen Dinge des Alltags sind in der Summe wichtig

Das alles sind sehr elementare Dinge, die jedoch leider bei vielen Jugendlichen kaum oder nur unzureichend gelehrt wurden. Einmal mehr ist Zeitmangel das Problem.

Oftmals jedoch auch, dass viele Eltern einfach nicht erkennen, dass auch solche Dinge gelehrt werden müssen.

Nicht wenige junge Menschen haben keine Ahnung von grundlegenden Alltagsdingen. Etwa, wie man Lederschuhe richtig putzt und pflegt.

In der Küche

Im Internet gibt es Seiten, in denen jedermann Rezepte einstellen kann. Oftmals sehr leckere Rezepte. Ebenso häufig jedoch auch Speisen, die, wenn man sie sich als gestandener Mensch ansieht, einfach nur wie eine sinn- und lieblose Zutaten-Melange wirken. Doch auch das hat einen Grund: Wo der Alltag immer mehr Stunden auffrisst, bleibt weniger Zeit dafür, zu kochen. Erst recht, seinen Kindern grundständige Dinge davon zu vermitteln. Auftritt Großeltern. Nicht nur, dass sie mit dem überlegenen Talent eines Routiniers kochen, sie wissen in den meisten Fällen auch noch, wie man „richtig“ kocht.

  • Wie berechnet man Portionsgrößen?
  • Was ist die Grundausstattung einer guten Küche?
  • Was sind die typischen Küchen-Maßeinheiten?
  • Was sind Grundzutaten, die man immer im Haus haben sollte?
  • Was kann man günstig kaufen und wo ist (teure) Qualität unabdingbar?
  • Wie erkennt man ein gutes Ei? Wie unterscheidet man gutes von schlechtem Fleisch und erkennt man verdorbene Lebensmittel?
  • Was sind Basisrezepte, die schnell funktionieren und gut schmecken?
  • Wie müssen welche Lebensmittel gelagert werden?
  • Wie verwertet man Reste?
  • Was sind die Tricks, um Geschirr und Co. sauberzubekommen?

Diese Punkte eigenen sich auch gut dazu, dem Enkelkind ein besonderes Geschenk zu machen: Ein gebundenes Blanko-Buch, in das die Großeltern ihre liebsten Rezepte eintragen. Nicht nur ein großer Alltagshelfer, sondern vor allem ein bleibendes Andenken.

Für den Beruf

Die Arbeitswelt wandelt sich mit riesigen Schritten. Natürlich ist deshalb das Wissen, das viele Großeltern besitzen, erst recht, wenn sie schon in Rente sind, nicht mehr ganz am Puls der Zeit. Doch das ist auch nicht das Entscheidende. Denn die Grundlagen des Berufslebens haben sich nur geringer gewandelt und sie gelten nach wie vor in der gesamten Berufswelt zwischen kleinstem Handwerksbetrieb und großem Computerkonzern:

  • Wie findet man überhaupt einen Beruf, der zu einem passt?
  • Wie bereitet man sich auf ein Vorstellungsgespräch vor?
  • Wie kleidet man sich für den gewählten Beruf?
  • Wie verhält man sich richtig gegenüber Untergebenen, Kollegen und Vorgesetzten?
  • Was sind die „ungeschriebenen Gesetze“ in einem Unternehmen?
  • Wofür gibt es Gewerkschaften, Arbeitnehmervertreter?
  • Wie diszipliniert man sich selbst, auch wenn die Arbeit schwerfällt?
Viele Lehrherrn kritisieren, dass es heutigen Azubis an grundlegender Arbeitsdisziplin und vielen Basisfähigkeiten mangelt.

Tatsächlich sind auch an diesem Punkt Großeltern die besten Ansprechpartner. Sie haben bereits ein ganzes Arbeitsleben, oder zumindest den Großteil davon, hinter sich.

Vor allem aber haben sie noch Zeiten miterlebt, in denen es wesentlich härter im Beruf war, in allen Belangen. Damit können sie nicht nur durch Vermittlung des oben genannten Wissens helfen, sondern auch einem jungen Menschen aufzeigen, wie und wo sich die Arbeitswelt heute gewandelt hat.

Viele Lehrherren kritisieren, dass es heutigen Azubis an grundlegender Arbeitsdisziplin und vielen Basisfähigkeiten mangelt.

Fazit

Großeltern wissen mehr, haben mehr Zeit und meistens ungleich mehr Ruhe und Muße als Eltern und Lehrer. Sie sind ein unglaublich wertvoller Erfahrungsschatz. Deshalb ist es nicht nur probat, sondern tatsächlich immens wichtig, seinem Enkelkind so viel wie möglich von diesen Erfahrungen zu vermitteln. Nicht, um sich über Gebühr in die Erziehung einzumischen, sondern vor allem, um dem Kind Fehler zu ersparen, die man vielleicht selbst begangen hat.

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